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Destruction Interview mit Schmier

Maik:  Ihr habt euch 1983 gegründet, d.h. 26 fast schon 27 Jahre Destruction. Wie fühlt ihr euch als eine Art „Thrash Metal Legende“?

Schmier: Keine Ahnung, die Zeit rennt! Wenn man Spaß an was hat, dann geht die Zeit schnell rum. Es kommt mir gar nicht so lange vor, ja und von der „Legende“ kann man sich auch nix kaufen. Es ist geil, dass immer wieder junge Leute auf die Show kommen und man nach so vielen Jahren noch dabei ist. Wir hätten damals als wir mit 17 angefangen haben nie gedacht, dass wir nach 26 Jahren immer noch dabei sind. Ja ich sage mal das Wort „Legende“ und so weiter, was ist den schon ne „Legende“ oder wer sagt was ne „Legende“ ist, aber es ist schon cool, dass die Leute das so sehen.

Maik: Am 25.09.09 habt ihr ja euer zweites Live Album „The Curse of the Antichrist-Live in Agony“ über AFM Records raus gebracht. Warum habt ihr gerade den Wacken-Auftritt und die Japan Tour als Quelle genommen?

Schmier: Wacken ist immer die beste Show, die man machen kann. 80.000 Headbanger kriegt man nirgendwo anders auf der Welt, das ist schon legendär und in Japan gab es einfach sehr gute Vorrausetzungen zum Aufnehmen, weil die Technik den höchsten Standart der Welt hat. Die Japaner haben ja immer alles 10 Jahre früher als wir. Die Japanischen Fans sind auch ganz anders als hier, einen „Moshpit“ gibt es da gar nicht, aber dafür hüpfen sie alle wie so Gummibälle und schreien auch immer ganz lustig rum. Es ist halt irgendwie anders und wir dachten, es wäre ne gute Sache das aufzunehmen. Wir hatten auch diverse andere Shows, doch da gab es einige Probleme. Ein paar Sachen waren kaputt  und gelöscht, deshalb haben wir uns dann auf diese beiden Shows konzentriert. Wir hätten am liebsten eigentlich eine komplette Show gemacht, was aber nicht möglich war. Wir wollten ne Doppel CD machen und dann müsste man ja praktisch 2 Stunden am Stück spielen und es gab fast keine Shows, die so lange waren und von uns aufgenommen wurden. Deshalb mussten wir ein bisschen Zusammenschneiden.

Maik: Für ein Live Album ist der Sound echt gut geworden. Wie habt ihr das geschafft?

Schmier: Alles im Studio nachbearbeitet! Ne, Scherz! Alles natürlich live und ich denke wir sind ne Live Band. Für 3 Mann machen wir auch ganz schön krach und das wollten wir auch festhalten. Es gibt viele Leute, die sagen: „Destruction sind live geil, aber auf Platte…ich weiß nicht so recht“ und ich denke die Live-Platte zeigt auch, dass unsere Qualitäten auf jeden Fall im Live Bereich liegen. Mike spielt immer für 2. Dass da nur 1 Gittarist am Werk ist, hört man nicht wirklich. Das ist schon cool und ich denke es ist auch heute wichtig, dass man ne Live Platte noch live klingen lässt, aber die muss auch schon richtig in die Fresse sein. Früher klangen die Live Platten halt immer ein bisschen dumpf und matschig, das ist heute halt alles einfacher mit der Technik das aufzunehmen, weil einfach bessere Möglichkeiten bestehen. Aber ich muss auch dazu sagen wir haben echt lange gemischt 10 Tage lang. Also steckt viel Arbeit darin. Es ist nicht mal schnell so ein Ding abgemischt. Man bekommt ja, ich sage mal, sehr viel Informationen und die muss man ja auch wirklich gut rüberbringen .Wenn man 2 Shows zusammen schneidet, dann hat man auch 2 Shows die unterschiedlich klingen. Das war dann auch nicht ganz so einfach.

Maik: Warum habt ihr gerade Jakob Hansen als Mischer genommen?

Schmier: Weil Jakob einer der Besten in Europa ist, er kann einfach alles machen. Er hat sich ja auch mit Volbeat und diversen anderen Sachen einen Namen gemacht. Er kommt auch aus dem „Oldschool“ Bereich, er hat selber früher in einer „Thrash Band“ gespielt und er kennt Destruction von Anfang an. Es ist auch immer wichtig, dass der Typ auch die Band kennt und da ran geht mit einer gewissen Art von Respekt und Würde, um die Band nicht so zu verändern usw. und ich denke gerade die Live Platte vom Sound her ist eins der optimalisten Ergebnisse, die wir je gemacht haben. Jakob Hansen ist auch einfach ein cooler Typ. Wenn du im Studio mit jemanden bist und du kommst gut mit ihm klar, dann kommt auch ein gutes Produkt raus. Wenn’s ein Typ ist, der mir vorkommt wie Oberlehrer, dann habe ich auch keinen Spaß. Es ist halt einfach wichtig, dass der Kerl gut drauf ist und Jakob ist echt `n Cooler.

Maik: Ihr habt ja 2004 „Live Discharge“ raus gebracht und jetzt nach 25 Jahren kommt im Januar „A Savage of Symphony - The History of Annihilation“. Was erwartet die Fans?

Schmier: Ich denke mal der große Unterschied zur ersten DVD ist erstmal, dass die geile Wacken Show drauf ist, wo alle alten Mitglieder dabei sind usw., aber auch die History der Band wird halt mal richtig beleuchtet, d.h. es kommen alle zu Wort, auch die alten Mitglieder. Es gibt Informationen, die selbst mich beeindruckt haben, wovon ich nichts wusste, z.B. Sachen über meinen Rauswurf, wie das so alles abgegangen ist. Das hat mir nie wirklich jemand ins Gesicht gesagt und dann: „Ah, so war das also damals“. Das war schon sehr interessant. Ich denke es ist für die Fans auch ne super kurzweilige Sache, denn da redet keiner mal so einen 5 Minuten Monolog. Jeder kommt zur Sprache, es ist ja fix geschnitten, auch sehr viel Entertainment dabei und ich denke das ist so ein Ding, was man auch noch in 10-20 Jahren angucken kann und denkt geil. Das ist schon so ein History Part der auch gut gemacht ist, halt so ne Art Doku-Style, es war auch echt viel Arbeit das zusammen zuschneiden, aber ich denke es ist richtig gut geworden, kurzweilig und sehr informativ. Der Typ mit dem wir zusammen gearbeitet haben meinte, man sollte das vielleicht als Lehrbuch raus bringen für junge Bands, um zu sehen wie man`s nicht macht. Ich denke man kann auch ein bisschen was lernen, wie man es als junge Band vermeiden sollte um zu überleben.

Maik: Was erwartet uns als Bonus Material?

Schmier: Ja natürlich Sex, Drugs and Rock`n Roll. Es sind auch so ein paar Clips „Around the World“ drauf. Wir haben so hier und da ein Bisschen was aufgenommen, um mal das Tourleben der Band mitzubekommen. Ich denke man kommt so auf 3,5-4 Stunden Spielzeit.

Maik: Wie ist es so mit negativen Erlebnissen auf der Tour?

Schmier: Ja, vor der Großbritannien Tour habe ich mir die Hand gebrochen.

Maik: Es gab doch auch einen geklauten Bass oder nicht?

Schmier: Ja dadurch, dass der Bass geklaut wurde, hatte ich schlechte Laune und dadurch habe ich mir dann die Hand gebrochen…..sozusagen.

Maik: Was erwartet die Band in Zukunft?

Schmier: Wer weiß das schon? Was machst du denn morgen?

Alle: Ausnüchtern!!!

Schmier: Ja, Ausnüchtern werden wir wohl auch noch ein paar Mal. Wir werden versuchen, Destruction so lange am Leben zu erhalten, wie nur Möglich Ich habe letztens mit Angela von Arch Enemy geredet, die ist ja auch schon ein paar Jahre dabei und auch nicht mehr die „Jüngste“ und sie hat auch gesagt, unsere Musik ist unser Leben und wenn wir das nicht hätten, was wären wir dann schon. Es ist schon für viele von uns Musikern mehr als ein Lebensinhalt und ich denke, dass muss man auch so lange machen, wie man’s kann. Ich bin nicht verheiratet, habe keine Kinder von den ich weiß  und ich habe wohl hoffentlich noch ein paar Jahre vor mir.

Jannik: Fühlst du dich eher als Bassist oder eher als Sänger, bzw. beides?

Schmier: Da ich beides nicht gut kann, weiß ich nicht so genau. Ne Quatsch, ich sehe mich erstmal eher als Sänger. Wenn man die Songs komponiert, denkst du als Musiker auch immer erst an den Gesang, also wenn wir neue Riffs schreiben, denke ich auch immer erst an den Gesang und so denkt man halt erstmal als Sänger, aber als Bassist…..viele Leute denken ja immer der Bass ist unwichtig, aber wenn der dann mal ausfällt, sind plötzlich die Eier weg. Also ist der Bass ja schon ein wichtiges Instrument, besonders im Metal-Bereich. Ich denke bei mir ist `s halt so die Wage, ich wollte eigentlich nie Sänger oder Bassist werden, aber ich mag beides.

Dominick: Vermisst du eigentlich die Oldschool-Zeit, so wie früher?

Schmier: Ach, früher war es auch nicht wirklich besser. Man vergisst die schlechten Sachen und denkt nur an die guten, so wie bei einer Ex-Freundin, aber das coole an früher war dieser Aufbruch, dass Metal so plötzlich aus dem Nichts groß wurde und dass man die Zeit miterlebt hat. Wir wurden damals auch ausgelacht und bespuckt und sonst was, heutzutage hat sich nicht viel geändert. Ich denke, das halt ne super Szene nachgewachsen ist und dieser Aufbruch zeigt ja auch, dass wieder ein Haufen junge Leute Metal hören, was halt früher nicht so war. So Ende der 90er waren nur noch Vokuhilas am Start. Die waren halt schon alle über 30 und dachten, wo soll der Metal hingehen? Es gab kaum eine neue Generation, es ist in den letzten Jahren explodiert fast überall. Ich sag mal, der Destruction Fan ist eben nicht 40, so wie ich, sondern eher 15 und das finde ich richtig geil.

Tom: Was mich noch interessiert…..was hältst du denn so von Metalcore?

Schmier: Das ist jetzt nicht so meins. Ich stehe auf Sänger die Identität haben und im Metalcore klingt jeder Sänger gleich. Ich war mal mit Mile auf `nem Heaven Shall Burn Konzert, weil das so Freunde von Kreator sind. Die Band hat auch gut gespielt und so und der Sänger, das finde ich Geschmackssache, aber dann hat der Sänger das Mikrofon aus der Hand gegeben und die Fans singen lassen und da habe ich zu Mile gesagt: „Pass mal auf, wir merken gleich keinen Unterschied.“. Ich finde Sänger mit Identität sind das Beste, egal ob es Death Metal war, egal welche Richtung. Im Metalcore fehlt mir einfach die Identität, auch wenn die Riffs teilweiße gut sind, die waren alle schon da. Jakob Hansen hat sehr viel Metalcore Bands aufgenommen, als wir im Studio waren meinte er: „Endlich mal wieder eine Band die spielen kann“. Ich will die Metalcore Bands auch nicht überbewerten, da wird einfach im Studio alles zusammengeschustert, da wird alles geloopt. Die Gitarren werden geloopt, das ganze Schlagzeug wird getriggert und auf den Click gezogen usw. Man merkt dann live schon, wer spielen kann.

Dominick: Was hältst du denn so von den neuen Thrash Metal Bands, z.B. Warbringer, Municipal Waste?

Schmier: Es gibt einen Haufen guter Nachwuchs Bands zurzeit. Ich finde es sehr interessant, wenn Bands versuchen einen eignen Stil zu konstruieren. Z.B. Municipal Waste finde ich sehr interessant, weil die diese Hardcore meets Thrash Schiene fahren. Evile finde ich auch sehr geil. Der Gitarrist hat mal bei uns ausgeholfen, der ist der Hammer. Der konnte alle Desturction Songs, alle Metallica Songs, alle Annihilator Songs, das komplette Programm. Ja, der Bassist ist ja leider verstorben. Sehr traurig, totaler Destruction Fan einfach tot umgefallen mit 32. Aber ich finde, es gibt auf jeden Fall `nen Haufen guter junger Bands. Ich finde son paar davon müssen noch ihren Stil finden. Ich finde Evile ist auf `nem guten Weg, Municipal Waste sind sowieso schon sehr eigenständig, Warbringer…..okay, man hört wo sie herkommen…..Bay Area usw., aber da sind auch sehr gute Ansätze dabei. Es ist einfach sehr geil zu sehen, dass so was wieder da ist, früher hätte kein Plattenlabel der Welt Thrash Metal Bands gesignt und jetzt ist es plötzlich wieder im kommen, ist schon geil zu sehen. Ich weiß noch wo unser Come Back war, haben alle gesagt, was wollen Destruction denn jetzt hier, Thrash Metal ist nicht angesagt, aber letztendlich war es dann auch so, dass wir mit unserem Come Back ein Bisschen was gerissen haben, dass auch wieder ein Haufen junge Leute rein gekommen sind in den Thrash. Ende der 90er war Thrash Metal komplett tot, also Sodom wussten auch nicht wo se hinsollen, Exodus gab’s nicht mehr. Ich werde nie vergessen, dass Mile mich angerufen hat: „Schmier, was soll ich machen, ich bin in einer Sackgasse!“. Da habe ich gesagt, schreib ne harte Platte, mach ne richtig harte Platte und das hat er dann auch gemacht und war super erfolgreich.

Dominick: In den 90ern kam dann auch mehr so der Death Metal raus.

Schmier: Ja, auch aber der Grunge hat alles kaputt gemacht, also meine ganzen Kumpels, die früher Metal gehört haben, haben sich alle die Haare abgeschnitten. Als ich dann damals mit Headhunter einen neuen Plattenvertrag gesucht habe, hat der Manager von Roadrunner gesagt, wenn du dir die Haare schneidest und deinen Sound anpasst, dann kriegst du auch einen Plattenvertrag und da habe ich gesagt: „Wießte was? Bevor ich das mache, spring ich lieber aus dem Fenster!“, aber so waren die Zeiten damals. Also die 90er waren nicht gerade glorreich für den Metal. Da gab’s auch so diese legendäre Rock Hard Ausgabe mit dem Grabstein, wo draufstand: „R.I.P Heavymetal?“.

Dominick: Du hast ja auch die Band Headhunter. Wie ist das so mit 2 Bands?

Schmier: Headhunter ist ein Hobby. Wenn man mal ein bisschen Zeit hat, macht man ein Bisschen was Anderes. Ich bin auch großer Metal Fan der 80er, halt womit ich groß geworden bin und mit Headhunter kann man das so schön klischeehaft Ausleben, ohne sich da verantworten zu müssen, weil Destruction ist schon auch eine gewisse Verantwortung die man hat, da überlegt man sich Sachen 2 mal, bevor man sie macht. Bei Headhunter kann ich einfach drauf los rocken und wem es nicht gefällt…..Pech! Es ist einfach ein Hobby und damit verdient man kein Geld, einfach zum Spaß.

Dominick: Lohnt es sich, diese Musik zu machen vom Geld her?

Schmier: Ne, also reich wirst du davon nicht, aber reich an Erfahrung wird man. Man kommt um die Welt und der Spaßfaktor ist auch dabei. Viele sagen immer, Schmier du bist 43, du siehst aus wie ein Jahr jünger. Ne Quatsch, du hast dich gut gehalten. Wie geht das beim dem Sex, Drugs and Rock `n Roll Lifestyle? Weil ich das mache, was mir Spaß macht. Ich komme um die Welt, lerne `nen Haufen cooler Leute kennen und ich glaube das hält jung. Wir lachen viel und haben Spaß, ich finde zwar die Welt zum kotzen, wie sie ist, aber ich mache das Beste daraus.

Dominick: Du hast das letzte Wort!

Schmier: Man sollte mal so ein Interview machen, was für Fehler man nicht machen sollte für alle jungen Bands! Das gibt’s nicht wirklich. Es gibt keinen Ratgeber für No-Goes oder sowas.





 

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