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Masters Of Rock 2010 - Festivalbericht

Masters Of Rock Festival, Vizovice, Tschechien, 15.-18.7.2010

 

Auch in den entlegendsten Winkeln Europas weiss man guter Musik zu huldigen, im Falle Tschechiens tut man dies mit dem Masters Of Rock Festival, das seit 2003 in Vizovice, 350km östlich von Prag, stattfindet. Das Open Air hat seit jeher einen Schwerpunkt auf Heavy/Power Metal und dürfte mit rund 30000 Besuchern zu den größten Vertretern dieser Sorte zählen.

 

Die Kosten für das Festivalticket belaufen sich auf sensationelle 60€, was bei diesem Billing wohl unschlagbar ist. Unter anderem gaben sich Manowar, Annihilator, Gamma Ray, Sabaton, Accept und Unmengen kleiner tschechischer Bands die Ehre. Generell ist das Festival etwas für kleine Geldbeutel, ein halber Liter Bier kostet umgerechnet knapp einen Euro, und mit 2 Mahlzeiten zu 2.50€ kommt man bestens durch den Tag. Natürlich kommt da der Lage des Festivals wegen eine nicht geringe Summe an Anreisekosten hinzu, aber die tschechische Bahn punktet im Gegensatz zu den deutschen Kollegen mit fairen Preisen und Zuverlässigkeit.

 

Die Distanz vom vizovicer Bahnhof zum Festivalgelände beträgt praktischerweise auch genau 0, steigt man aus dem Zug, hat man zu seiner Rechten gleich das Bühnengelände und zur Linken lässt sich direkt einer der Zeltplätze okkupieren. Da die Schienen aber direkt und ohne Abgrenzung durch das Gelände verliefen, waren die Zugführer bestimmt nicht um ihren Job zu beneiden.

Wie sich bei späteren Streifzügen durch die nähere Umgebung herausstellte, machten die Camper vor keiner Wiese des beschaulichen Ortes halt, ob das von der Orga so geplant war, werden wir wohl nie erfahren, so dürfte aber die Laufzeit von keinem der "Campingplätze" zum Bühnengelände mehr als 15 Minuten in Anspruch genommen haben, was bei der Größe dieses Festivals schon bemerkenswert ist.

Das, was wohl als Hauptcampingarea geplant war, zeigte sich in Form der das Dorf und das Bühnengelände romantisch einrahmenden Hügellandschaft. Sollte man diese in Anspruch genommen haben, sollte man im Verlauf des Festivals vor mindestens 2 Problemen stehen; 1.: die weiche, zeltnagelliebkosende Schwarzerde hier ist nur eine gut 5cm dicke Schicht, die massiven Granit verkleidet, der an diesem Wochenende bestimmt Hundertschaften an Heringen das Leben gekostet hat. 2.: Wer Bands sehen wollte, musste da auch irgendwie runter. Und die Hänge waren alles andere als benutzerfreundlich und nach dem Sonntagmorgen einsetzenden Regen eine Gefahr für Leib und Leben.

Die unmittelbare Umgebung des Bühnengeländes jedenfalls war gesäumt von Biergärten und Fressständen, die sich gegenseitig mit den Preisen unterboten. Die Qualität der angebotenen Waren schwankte zwar hier und da, aber hungern musste bestimmt keiner, der noch eine Handvoll Kronen in der Tasche hatte. Alles, was man an den Ständen nicht fand, bot der örtliche Krämerladen feil.

 

Natürlich konnte man sein Geld nicht nur in Speis und Trank investieren, sondern auch den Metalmarkt durchforsten. Am Eingang des Bühnengeländes befinden sich zunächst 2 Stände, die generellen Festivalmerch und weiteren Bandmerch, etwa von den Headlinern Manowar, verkaufte. Von ersterem waren aber viel zu schnell die Bestände erschöpft, weshalb nicht wenige wohl ohne schniekes Masters Of Rock-Shirt nach hause fahren mussten.

Wer sich weiter in das Gelände hineinwagte, konnte, neben unzähligen weiteren Fressständen, noch ein Auge auf die Angebote der zahlreichen weiteren Händler werfen. Beim Gross der hier angebotenen Waren handelte es sich um grauenvoll schlechte Shirt-Bootlegs oder andere mit Bandnamen bedruckte Kleidungsstücke, aber das geschulte Auge konnte auch hier durchaus einige Schätze auftun. Über zu geringes Angebot konnte man hier zumindest nicht meckern.

 

Die 2, 3 schüchternen Blicke, die ich in die Dixies riskiert habe, haben mich direkt davon überzeugt, mein Schicksal völlig in die Hände der Spülklos zu legen. Von diesen Containern gab es mindestens 2 auf dem Gelände, und die ließen sich gegen einen recht geringen Obulus auch nutzen. Hier gab es auch an dem Zustand nichts zu meckern.

Duschen konnte man ebenfalls für kleines Geld.

Das Publikum war sehr durchwachsen, ich hätte ja erwartet, auf so einem Festival am Ende der Welt mehr auf den harten Kern der Szene zu treffen, leider aber überwiegte der Anblick metalferner Bandshirts und die Kuttendichte war nicht allzu hoch. Auch ist das tschechische Publikum nicht so kommunikativ wie das deutsche, wo man auf Festivals hierzulande an jeder Ecke neue Kontakte knüpft, hatte ich das Gefühl, dass der Osteuropäer ganz gerne unter sich bleibt. Hier leistet aber eventuell auch die Sprachbarriere ihren Beitrag, denn das Festival ist lange nicht so international wie man annehmen möchte. Mit Englisch, geschweige denn Deutsch, kommt man nur selten weit.

 

Nun aber zum eigentlichen Kern des Festivals; den Bands! Nennenswert wäre zunächst der Umstand, dass es nur 2 Bühnen gibt. Die Coca Cola Stage, die kleineren Bands eine Plattform bot, und die mit Ronnie James Dio Stage betitelte Hauptbühne, auf der sich das Hauptgeschehen abspielte. Das wirkt sich natürlich negativ auf die Entlastung des Bühnengeländes aus, aber Bands verpassen kann man dafür immernoch auf anderen Festivals, was ich persönlich grandios finde. Und wer wirklich nach vorne wollte, der schaffte das auch, zumindest bei den meisten Bands. Der Boden war hier betoniert, was lange Wartezeiten nicht gerade erträglich machte, aber was tut man nicht alles-

Bei unserer Ankunft war gerade Axel Rudi Pell zugange, da waren wir zwar noch mit dem Zeltaufbau beschäftigt, aber die zuvor beschriebene Lage auf dem Hügel garantierte dennoch beste Unterhaltung in Bild und Ton. Die erste Band, die wir vor der Bühne zu sehen bekamen, waren Sabaton, die gewohnt routiniert ihr Set runterzockten, aber natürlich nicht, ohne der sympathischen Frontsau Joakim Broden Zeit für einige seiner Ansprachen zu lassen oder zwischendurch ein paar der an den Ständen beschlagnahmten Shirt-Bootlegs im Publikum zu verteilen. Im Set waren wieder altbekannte Klassiker der Marke Panzer Battalion oder Attero Dominatus gleichermaßen vertreten wie aktuelle Kracher, etwa Coat Of Arms oder Aces In Exile, letzteres absolut beispiellos abgefeiert.

Am Freitag standen für mich Queensryche und Manowar auf dem Plan.

Die Amis Queensryche zeigten sich spielfreudig und ein Geoff Tate bei bester Stimme tat sein möglichstes, um das Publikum bei Laune zu halten. Dennoch wollte der Funke leider nicht so ganz überspringen. Dennoch haben Klassiker wie I Don't Believe In Love das Ruder noch ein Stückchen rumgerissen.

Bei den Headlinern Manowar war ich eingangs ein wenig skeptisch, da Frontröhre Eric Adams auf aktuellen Livemitschnitten seine besten Tage stimmlich längst hinter sich zu haben scheint. Doch meine Zweifel wurden weggeblasen, nicht nur, dass Adams rumkreischte wie er es anno 1990 nicht besser hinbekommen hätte, auch die Interaktion mit dem Publikum war erfrischend vorhanden und ging über das klassische Register hinaus. Auch eine Ansprache Joey DeMaios durfte natürlich nicht fehlen. Warum Klassiker wie Battle Hymns, Hail And Kill oder The Gods Made Heavy Metal diesmal nicht ihren Weg in die Setlist gefunden haben, liegt wohl daran, dass diese Show für eine weitere DVD aufgenommen wurde. Die gesamte Show war dementsprechend pompös und auch zu Krachern wie House Of Death, Die For Metal oder Black Wind, Fire And Steel hat die Stimmung anständig Feuer gefangen! Bei DeMaios großzügigem Basssolo konnte einem nurnoch der Kiefer runterklappen, der Kerl muss den Tieftöner geschwungen haben bevor er laufen konnte und stellt damit fast schon Jeff Waters in den Schatten, der am nächsten Tag seine Fertigkeiten am Sechssaiter zum besten gab.

Vor Annihilator waren am Samstag aber noch Primal Fear dran. Auch hier gab es nichts auszusetzen, mir persönlich kam das Set zu kurz vor, aber bei Klassikern wie Nuclear Fire, Chainbreaker und natürlich Metal Is Forever weiss man schon, warum man sich für diesen längsten Festivaltag nen Platz ganz vorne sichert!

Die Thrash-Giganten Annihilator enterten die Bühne dann mit The Box, das Set ließ keine Wünsche offen und so war es auch mit der Band selbst, King Of The Kill, Set The World On Fire, Ultra Motion und selbstredend auch Alice In Hell machten neben neueren Songs einfach tierisch Spaß, ausserdem habe ich den ersten Moshpit auf dem Festival erlebt.

Die darauf folgende Umbaupause zog sich etwas länger hin, da es doch leicht stürmig wurde und das Bühnenmobiliar windfest gemacht werden musste, dann aber schließlich stürmten die Headliner Gamma Ray die Ronnie James Dio Stage. Kai scheint irgendwie mit jedem Gig besser drauf zu sein, hüpft rum wie eine junge Bergziege, macht Faxen und unterhält nicht zuletzt das Publikum mit 1A Songmaterial. Das einzige Manko war die Setlist, die sich seit der To The Metal Tour kein bisschen geändert hat, aber das ist natürlich nur ein subjektiver Kritikpunkt. Denn das, was gespielt wurde, wurde auch richtig gespielt, wie gewohnt durfte man sich von Gardens Of The Sinner, New World Order und zahlreichen weiteren altbekannten Klassikern verwöhnen lassen. Bei Ride The Sky und der Zugabe I Want Out gab es im Publikum absolut kein Halten mehr, wie nicht anders zu erwarten ein sehr gelungener Gig!

Den Abend abschließen sollten Bloodbound, und das tun sie mit neuem Sänger! Da ich zu diesem Zeitpunkt total geschlaucht von den 3 vorherigen Bands schon wieder auf dem Weg zu meinem Hügel war, kann ich keine allzu präzisen Aussagen darüber treffen, aber Urban Breed scheint keine Narbe in der Band hinterlassen zu haben und wer nicht zu genau hinhört, wird nichtmal einen Unterschied feststellen! Pata Johansson war definitiv die richtige Wahl und bedient sich ausgiebig vom Debutalbum, um dem Publikum einzuheizen, was es mich besonders bedauern lässt, nur von oben zugesehen zu haben. Die Leutchen vor der Bühne scheinen jedenfalls auch ihren Spass gehabt zu haben!

Der letzte Festivaltag lockte mit Unisonic und Accept. Unisonic, Metalpresse berichtete, ist die neue Band von ex-Kürbiskopf Michael Kiske, um nicht zu sagen die erste richtige seit seinem Ausstieg bei Helloween. Ich war jedenfalls sehr gespannt auf den Auftritt und drängelte mich voller Vorfreude in die vorderen Gefilde. Die Setlist setzte sich zusammen aus einem Unisonic-Song, mehreren vom letzten Projekt Place Vendome und zu guter letzt zweien, die er seinerzeit für Helloween geschrieben hatte! Nachdem den neuen Songs höflich Tribut gezollt wurde, ging die Party mit Kids Of The Century und A Little Time als Rausschmeißer richtig los. Die Stimmgewalt des Kings war durchweg ungebrochen und der Gig hatte tierisch Feuer. Unisonic wollen noch dieses Jahr ihr Debutalbum veröffentlichen und streben dann eine Hallentour an!

Die frisch auf die Bühnen zurückgekehrten Metal-Veteranen Accept sollten meine letzte Band für dieses Festival sein. Da die Band sich ohne ihren damaligen Sänger Udo reuniert hatte, waren nicht wenige recht skeptisch, ob diese Formation es noch zu was bringen würde. Ich jedenfalls war vollends überzeugt von der Leistung der Band, die dieses geniale Festival würdig ausklingen ließ.

Ob ich mich nächstes Jahr nochmal auf den weiten Weg nach Vizovice mache, das wird das Festivalbilling zeigen. Bereuen tu' ich meinen Ausflug in den Osten jedenfalls nicht!

 

Eric/Metalpresse

 

 

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